leben fällt
das leben fällt
nicht sanft.
es kippt über dich,
ohne vorwarnung,
als hätte gnade
keinen platz im vokabular.
unter den füßen
gibt die überzeugung nach,
jahrelang getragen,
nun porös.
die erde zeigt ihre dünne haut.
überall bruchlinien.
überall mögliches stürzen.
innen beginnt etwas zu arbeiten,
kein schmerz, eher
ein langsames aufweichen
der sicherheiten.
gaben werden fragil.
fähigkeit zieht sich zurück
wie licht vor einem gewitter.
atem wird knapp.
der blick sucht ränder,
ritzen,
irgendein offenes.
verstehen
ist plötzlich ein fernes geräusch.
wenn kein weiter mehr sichtbar ist,
wenn kraft sich weigert,
entsteht verdichtung.
charakter wächst nicht nach oben,
sondern abwärts.
tiefe lernt gehen.
wo türen sich schließen,
beginnt ein anderes öffnen,
lautlos,
in unbekannte räume.
demut ist kein kniefall,
sondern ein lassen.
kein wissen mehr behaupten.
sein
ohne absicherung.
lebendig
unter druck
und berührung zugleich.
dankbarkeit als leiser puls,
weil menschsein
keine selbstverständlichkeit ist.
noch bleibt verborgen,
wohin das leben spricht.
doch etwas in dir
hört bereits zu.
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text u. bild m.w.
